Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen - Lebensbedingungen in der Schweiz 2009
Die Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC, Statistics on Income and Living Conditions) ermöglicht es, zum ersten Mal in der Schweiz die Lebensbedingungen auf breiter Basis zu untersuchen, indem Informationen über das Wohlbefinden und die Einkommensverteilung kombiniert werden. Im Jahr 2009 waren drei von vier Personen nach eigenen Aussagen mit ihrem Leben sehr zufrieden. Demgegenüber waren 6,7 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz von starker materieller Entbehrung betroffen. Die Armutsgefährdung hängt von der berücksichtigten Armutsgefährdungsschwelle ab: Mit der Schwelle der Europäischen Union beträgt die Armutsgefährdungsquote in der Schweiz 14,6 Prozent, während es mit jener der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 8,0 Prozent sind.

Ungleichheiten bei der Einkommensverteilung
Die Ungleichheiten bei der Einkommensverteilung werden aufgrund des verfügbaren Äquivalenzeinkommens ermittelt. Dieses wird wie folgt berechnet: Die obligatorischen Ausgaben werden vom Gesamteinkommen des Haushalts abgezogen, und der sich daraus ergebende Saldo wird durch die Äquivalenzgrösse des Haushalts geteilt. Damit dient das verfügbare Äquivalenzeinkommen unabhängig vom Haushaltstyp als Mass für den Lebensstandard der betrachteten Personen.
Das Medianeinkommen teilt die in aufsteigender Reihenfolge geordneten Einkommenswerte in zwei gleich grosse Teile: Für die eine Hälfte der Bevölkerung liegt das verfügbare Äquivalenzeinkommen über dem Medianeinkommen, für die andere Hälfte ist es darunter angesiedelt. 2009 betrug der Median des verfügbaren Äquivalenzeinkommens 47'840 Franken pro Jahr. Damit besass die wohlhabendere Hälfte der Bevölkerung ein 2,3-mal höheres verfügbares Äquivalenzeinkommen als die einkommensschwächere Hälfte.
Finanzielle Armutsgefährdung
In der Schweiz leitet sich die Definition der absoluten Armutsschwelle von den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe ab, während die Armutsgefährdungsschwelle international definiert wird: Vereinbarungsgemäss setzt die Europäische Union (EU) diese Schwelle bei 60 Prozent des Medians des verfügbaren Äquivalenzeinkommens an. Zur Veranschaulichung: Die Armutsgefährdungsschwelle lag 2009 bei 28'700 Franken Jahreseinkommen für eine Einzelperson und bei 60'270 Franken Jahreseinkommen für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren.
Im Jahr 2009 waren 14,6 Prozent der in der Schweiz lebenden Bevölkerung armutsgefährdet, d.h. fast jede siebte Person. Zu den am stärksten armutsgefährdeten sozialen Gruppen gehören Personen in Einelternfamilien (31,7%) oder kinderreiche Familien (27,2%), aussereuropäische Staatsangehörige (30,5%), Erwachsene ohne nachobligatorische Ausbildung (25,0%), Erwerbslosen (23,8%) und schliesslich Kinder von 0 bis 17 Jahren (18,3%). Die 65-Jährigen und Älteren weisen ebenfalls eine sehr hohe Armutsgefährdung auf (26,4%) – insbesondere wenn sie alleine leben (32,8%). Allerdings greifen auch besonders viele unter ihnen auf ihr Vermögen zurück, um ihre laufenden Ausgaben zu decken (18,3%; verglichen mit 8,3% der Gesamtbevölkerung). Da jedoch der Rückgriff auf das eigene Vermögen nicht ins verfügbare Äquivalenzeinkommen einbezogen wird, bleiben entsprechende Situationen von der Schätzung der Armutsgefährdung ausgeschlossen.
Die Armutsgefährdungsschwelle wird unterschiedlich definiert. Während die Europäische Union sie bei 60 Prozent des Medians des verfügbaren Äquivalenzeinkommens ansetzt, sind andere Stellen strenger und gehen von 50 Prozent des Medians aus. Für diesen zweiten Ansatz hat sich die OECD entschieden. 2009 betrug die streng definierte Armutsgefährdungsquote 8,0 Prozent. Der Wechsel von der 60%- zur 50%-Schwelle reduziert die Anzahl armutsgefährdeter Personen um fast die Hälfte.
Materielle Entbehrungen
Anhand der materiellen Entbehrungen aus finanziellen Gründen lässt sich die soziale Ausgrenzung eher absolut beschreiben. Im Jahr 2009 waren 6,7 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz von materieller Entbehrung betroffen. Die Mehrheit der armutsgefährdeten sozialen Gruppen ist auch von materieller Entbehrung betroffen: Dies gilt für Erwerbslosen (Quote der materiellen Entbehrung: 28,8%), Personen in Einelternfamilien (23,5%), ausländische Staatsangehörige aus dem aussereuropäischen Raum (19,4%) und Personen ohne nachobligatorische Ausbildung (10,8%).
Bei gewissen sozialen Gruppen ist der Zusammenhang zwischen finanzieller Armut und materieller Entbehrung allerdings komplexer. So sind ausländische Männer und junge Erwachsene (18–24 Jahre) zwar nicht im besonderen Masse armutsgefährdet, ihre Quote der materiellen Entbehrung ist aber signifikant höher als jene der Gesamtbevölkerung. Demgegenüber sind kinderreiche Familien und Kinder einer erhöhten Armutsgefährdung ausgesetzt, aber nicht speziell von materieller Entbehrung betroffen. Einen Sonderfall schliesslich bilden die Personen ab 65 Jahren: Sie weisen einerseits eine überdurchschnittliche Armutsgefährdung auf, andererseits ist ihre Quote der materiellen Entbehrung (3,2%) signifikant tiefer als jene der Gesamtbevölkerung (6,7%).
Subjektive Einschätzung der Lebensqualität
Die Lebenszufriedenheit im Allgemeinen ist ein umfassendes Mass für die subjektive Lebensqualität der Bevölkerung. Die Lebenszufriedenheit der Bevölkerung in der Schweiz ist hoch: Im Jahr 2009 waren drei von vier Personen (74,6%) mit ihrem Leben sehr zufrieden. Dieser Anteil ist bei den armutsgefährdeten Personen signifikant kleiner (66,6%) als bei den nicht von Armut bedrohten Personen (75,9%).
Mehr Info: Bundesamt für Statistik


