Baselworld 2010: lächelnde Gesichter bei den Schweizer Ausstellern
Aufschwung bestätigt sich für die Schweizer Uhrmacher
Nachdem zum Jahresbeginn 2010 die Schweizer Uhrenexporte erstmals seit 15 Monaten wieder zunahmen (+ 2,7 % im Januar, + 14,2 % im Februar, jeweils bezogen auf den Wert der Exporte), brachte die Baselworld, das wichtigste Branchenbarometer, die Bestätigung dieser positiven Vorzeichen. Die Zuwächse fallen je nach Marke unterschiedlich stark aus, doch eines gilt für alle Segmente und Märkte gleichermassen: die hohen Lagerbestände, welche die Liquidität der Einzelhändler seit Ende 2008 belasteten, werden abgebaut. Diese wieder verfügbare Liquidität ist die Grundlage für eine ganz reale Kaufbereitschaft.
Ein weiteres Phänomen sei festgehalten: die amerikanischen Käufer, die bei der Messe 2009 praktisch durch Abwesenheit glänzten, sind zurück. Das bringt nicht nur klare Perspektiven für konkrete Geschäfte, es ist auch ein Symbol für die allgemeine Verbesserung der Lage, denn in den USA hatte die Finanzkrise, deren Auswirkungen sich dann in der gesamten Weltwirtschaft niederschlugen, schliesslich begonnen.
Angesichts dieser Vorzeichen eines dauerhaften Aufschwungs erwarten die Schweizer Uhrmacher für das zweite Halbjahr 2010 Wachstumszahlen, die, je nach Marktregion, mit denen von 2007 bzw. 2008 vergleichbar sein dürften.
Kreationen zwischen Tradition und Innovation
Die dieses Jahr vorgestellten Uhren enthüllten neuartige Entwicklungen bei der Mechanik, eine Hommage an das unvergleichliche Erbe der Schweizer Uhrmacher. Demonstrative Prachtentfaltung ist durch die Krise endgültig abgeschrieben, und so setzen die Kreationen 2010 besonders auf künstlerische Gestaltungstechniken. Selten waren die Oberflächenbearbeitungen auf einem vergleichbar hohen Niveau, und das alles bei einem klaren Bekenntnis zur Nüchternheit. Diskretion erwies sich als unumgängliche Voraussetzung für Eleganz. Das zeigte sich auch bei den Damenuhren, die kleine, ja kleinste Grössen bevorzugten und damit umso deutlicher auf ihren edlen Charakter verwiesen. Die Modelle des Jahrgangs 2010, für den Herrn wie für die Dame, zeichnen sich aus durch eine wesentliche Ästhetik als Garantie für guten, über jedes Modediktat erhabenen Geschmack.
Schmuckhersteller und Juweliere
Bei den Schweizer Schmuckherstellern und Juwelieren fällt die Bilanz weniger einheitlich aus. Hersteller mit einem starken Markenumfeld wussten die Lage für sich zu nutzen, Marken und Designern mit nur geringem Werbeetat fällt es schwerer, sich vom Umfeld abzusetzen. Da erweist es sich dann als deutlich schwieriger, Kaufbereitschaft zu wecken, auch weil beim Schmuck – anders als bei den Uhren – die Lagerbestände weiterhin relativ hoch sind. Doch trotz einer gewissen Zurückhaltung der Einkäufer – vor allem der europäischen – bleibt die Präsenz bei der Baselworld auch für die Schmuckhersteller ein absolutes must. Sich vorstellen, kommunizieren und Kontakte knüpfen sind ganz klar die Elemente, mit denen heute der Erfolg von morgen vorbereitet wird. Und getreu ihrer Werte sehen die Schweizer Schmuckhersteller denn auch zuversichtlich nach vorn und setzen vor allem auf Qualität und Seriosität. Das zeigen die dieses Jahr auf der Baselworld vorgestellten Kreationen aufs Schönste: betont ästhetische Gestaltung, neue Legierungen mit nie gesehenen Farbnuancen bei Gold, Palladium und Platin, vor allem aber beeindruckende handverzierte Oberflächen.
Vertrauen in den Aufschwung bei den Zulieferern
Einmal mehr beweist Europa seine zentrale Stellung als Produktionsschwerpunkt in der Welt der Uhren- und Schmuckherstellung, auch wenn Südamerika hier machtvoll zulegt, – ein Trend, der sich bereits letztes Jahr angekündigt hatte. Die Messebesucher aus den Golfstaaten und aus Asien hingegen waren an den Ständen der verwandten Branchen weniger zahlreich. Die Krise hat allgemein zu einer eher abwartenden Haltung geführt, Investitionen in die Produktionsstrukturen werden noch mit einem gewissen Zögern betrachtet. Doch der Aufschwung im Uhrensektor dürfte in den nächsten Monaten auch auf die verwandten Branchen durchschlagen. Eine gewisse Verzögerung scheint unvermeidbar, dennoch sind auch bei den Zulieferern erste ermutigende Zeichen zu erkennen, gerade auch in Hinblick auf die Beschäftigung.
Eine « gute Messe »
Baselworld 2010 wird für die Schweizer Aussteller als eine «gute Messe» in Erinnerung bleiben, auch wenn die Rekordergebnisse von 2007 und 2008 nicht erreicht wurden. Grösse, Qualität, Ausstrahlung und Besucherzahlen der Messe, aber auch der Termin im ersten Quartal des Jahres, stecken das Feld ab für ein solides, nachhaltiges Durchstarten bei Uhren- und Schmuckherstellern und bei den verwandten Branchen. Und damit: bis zum nächsten Jahr bei der Baselworld 2011, vom 24. bis 31. März


